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Update vom 2.9.10 (Christel Blumberg)

Weltwirtschaft (Teil 2 von 2)
 
Abschied von Amerika?
Diese Frage hatte Herr Signer schon beim letzten Geldseminar im Herbst vergangenen Jahres gestellt. Sie ist nach wie vor aktuell und bleibt daher auf der Tagesordnung. 
 
Betrachtet man die Staatsfinanzen und die Wirtschaft in den USA, stellt man fest, dass dort (fast) alles noch schlimmer ist als in der Euro-Zone.
 
Die US-Wirtschaft befindet sich in einem schlimmen Zustand, auch wenn das Wachstum angezogen hat und die Banker wieder ihre enormen Boni kassieren. Mehr als ein Sechstel der Amerikaner, die gerne eine Vollzeitstelle hätten, bekommen keine. Und 40 Prozent der Arbeitslosen sind bereits länger als sechs Monate ohne Job. Wie wir in Europa vor langer Zeit lernten, verschlimmert sich die Misere mit der Länge der Arbeitslosigkeit, da berufliche Qualifikationen und Aussichten nicht besser werden und die Ersparnisse zur Neige gehen.
 
Nach offizieller Lesart liegt die Arbeitslosigkeit bei 9,7 Prozent - fast 50 Prozent höher als bei uns (7,1 Prozent). In Wahrheit soll die Arbeitslosigkeit bei 16,6 Prozent liegen. Schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Selbst die Haushaltsbehörde prognostiziert, dass die Arbeitslosenzahlen erst wieder Mitte des Jahrzehnts auf ein normales Niveau fallen werden. Bis dahin müssen Millionen Amerikaner mit Konsumschecks ihre Lebensmittelkäufe im Supermarkt bezahlen. Die Älteren unter uns erinnern sich sicher noch an die Lebensmittelmarken nach dem Krieg. Amerika macht seine eigene Version der “japanischen Malaise” durch. 
 
Die Immobilienkrise - Ursprung der Suprime- und Finanzkrise, die die tiefste Rezession seit Jahrzehnten zur Folge hatte - ist noch nicht vorbei. Die in diesem Jahr erwarteten 2,5 bis 3,5 Millionen Zwangsversteigerungen übersteigen die Zahl des Jahres 2009. Und: Das neue Jahr begann mit der ersten grossen Gewerbeimmobilienpleite. Immobilienexperten befürchten, dass die Gewerbeimmobilienkrise noch schlimmer werden könnte als die vorangegangene Häuserkrise. Die Leerstände in Bürogebäuden, Einkaufscentern und Shopping Malls nehmen zu, immer mehr Kredite für Gewerbeimmobilien wackeln.
 
Die Defizite in den öffentlichen Haushalten wachsen und wachsen. Einige US-Staaten sind schon pleite, können nur noch mit Schuldscheinen zahlen. Der historische Wirtschaftseinbruch hat ein historisches Haushaltsloch zur Folge. In diesem Jahr rechnet die US-Regierung mit einem Defizit von 10,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts - dem höchsten seit Ende des Zweiten Weltkriegs. Die Sanierung des Etats wird zur Mammutaufgabe.
 
Die Wut über die Bankenrettungen steigt von Tag zu Tag, die Verwirrung zwischen Bankenrettung, die nicht wie geplant die Kreditvergabe wieder ankurbelte, und den Konjunkturprogrammen, die zwar die beabsichtigten Ergebnisse brachten, aber in zu geringem Ausmass, und die Enttäuschung über steigende Entlassungen haben Obamas Spielraum enorm eingeschränkt.
 
Das Wachstum soll in den nächsten zwei Jahren derart anämisch sein, dass man damit kaum genug Jobs für Neueintritte in den Arbeitsmarkt schaffen wird - von einer Rückkehr der Arbeitslosenquote auf ein annehmbares Mass ganz zu schweigen.
 
Volkswirte befürchten sogar, dass die USA wie auch die übrigen westlichen Industrieländer allein schon wegen der hohen Verschuldung in eine zweite Rezession fallen könnte. Dann würden auch die Aktienkurse fallen. 
 
Ob es tatsächlich so schlimm kommt, kann niemand genau vorhersagen. Aber eines ist deutlich: Von den USA gehen derzeit die grössten Gefahren und Risiken für die Weltwirtschaft aus. Der grosse Crash steht möglicherweise erst bevor. Spekulanten nutzen die Situation. Ich kenne aber auch Banken und Vermögensberater, die sich verabschieden von Amerika, bevor es zu spät ist. Die Entscheidung muss aber Jeder, der in USA engagiert ist, selbst treffen.
 
China: Wachstumsmotor oder Krisenherd?
Auch in China ist nicht alles Gold, was glänzt. Exzellente Wachstumsraten der Vergangenheit sind keine Garantie für die Zukunft. Zwar hat ein 400 Milliarden Dollar schweres Konjunkturprogramm der chinesischen Regierung den Absturz der Wirtschaft verhindert. Aber ein nicht unerheblicher Teil dieser enormen Summe soll nicht effizient investiert oder in dunkle Kanäle geflossen sein.
 
In den chinesischen Banken sollen viele faule Kredite stecken. Ein Banker, der sich in Asien gut auskennt und viele Jahre dort gearbeitet hat, erzählte kürzlich in einem Vortrag, dass die Quote ausfallgefährdeter Kredite bei 40 Prozent liegen soll. Jeder, der davon etwas versteht, weiss: Das kann eine Bank auf Dauer nicht aushalten. Offizielle Bestätigungen gibt es dafür nicht. Informationen, die das offizielle Bild Chinas eintrüben könnten, hält das Reich der Mitte unter Verschluss.
 
Ökonomen warnen schon lange vor Blasen an den Aktien- und Immobilienmärkten. Jahrelang sind die Preise für Immobilien geradezu explodiert - wie in den USA vor Ausbruch der Immobilien- und Bankenkrise. Die Regierung behauptet natürlich, sie habe die Lage im Griff. Aber immer wieder kommen Zweifel auf, wird davor gewarnt, dass Blasen auch in China platzen könnten.
 
China hat zwar einen Wirtschaftsboom hingelegt, der seinesgleichen sucht. Trotzdem ist die Wirtschaft noch nicht stark genug, um die Funktion einer Weltwirtschaftslokomotive zu übernehmen. Die Einkommen betragen im Schnitt nur 3000 Dollar im Jahr. Auch die Politik ist nicht vertrauenswürdig und verlässlich genug, um die Welt zu “retten”. Nicht grundlos haben viele westliche Firmen, die in China tätig sind, ihren Sitz in Singapur - nach dem Motto: kann man China trauen?
 
Aufstieg der Emerging Markets
Hohe Wachstumsraten, geringe Schulden, junge Bevölkerung: Damit glänzen die so genannten Schwellenländer, auch Emerging Markets genannt.
 
International aufgestellte Konzerne wie Nestlé, Unilever oder Siemens verdienen überall mit, wo mehr konsumiert und investiert wird. Dass etwa der Volkswagen-Konzern 2009 nicht in die roten Zahlen rutschte, lag an den florierenden Geschäften in China, dem mittlerweile absatzstärksten PKW-Markt der Welt. Auch Brasilien, Indien, Vietnam und die Türkei zählen zu den schnell wachsenden Märkten. Anleger können mit Aktien dieser Unternehmen oder globalen Aktienfonds, die sich auf Schwellenländer konzentrieren, vom Wachstum in diesen Ländern profitieren.
 
Es gilt aber, die Besonderheiten der dortigen Börsen zu beachten. Die Märkte sind meist kleiner als in Europa und Nordamerika. Hinzu kommt, dass Wachstumsfantasien eine grössere Rolle spielen. Daher sind die Unternehmen oft höher bewertet. Beides bedeutet, dass Schwellenländeraktien heftiger schwanken. Den hohen Chancen für Anleger stehen also auch eklatante Risiken gegenüber.
 
Mit den jungen Wachstumsriesen in der Welt können wir in Europa auf Dauer nur konkurrieren, wenn wir (noch) innovativer werden. Aber dazu muss das Klima bei Investoren und in der Politik anders werden.
 
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